Ist ein Gläschen Sekt OK? – Alles über Alkohol in der Schwangerschaft

Du wusstest es ja eigentlich schon längst: Alkohol in der Schwangerschaft sollte absolut tabu sein. Dennoch trinkt laut Umfragen etwa jede 5. Schwangere in Deutschland ab und zu Alkohol. Dabei stellt sich die Frage: Wie schädlich ist Alkohol in der Schwangerschaft tatsächlich? Und ist ein Gläschen Sekt vielleicht doch OK?

Alkohol in der Frühschwangerschaft

Alkohol in der SchwangerschaftViele werdende Mamas machen sich große Sorge, wenn sie an ihre Frühschwangerschaft zurückdenken. Gerade in den ersten 4-5 Wochen, manchmal aber auch länger, bemerken viele Schwangere noch nichts von ihrem Glück. In dieser Zeit verhalten sie sich wie vorher auch – und dazu gehört bei den meisten auch ein gelegentliches Gläschen Sekt, Wein oder Bier. Erfährst Du nun, dass Du schwanger bist, hast Du vielleicht Angst, dass Du Deinem Baby mit dem Alkoholkonsum der letzten Wochen geschadet hast.

Diese Sorge ist in den meisten Fällen unbegründet. Gerade in den ersten 14 Tagen der Schwangerschaft gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip: Eine im Frühstadium schwer geschädigte Eizelle nistet sich nicht ordentlich ein. Das Resultat: Sie wird mit einer vielleicht etwas verspäteten Regelblutung zumeist unbemerkt wieder abgestoßen.

Ist die Eizelle hingegen gesund, so nistet sie sich in den ersten Wochen der Schwangerschaft erfolgreich in die Gebärmutter ein. Ab diesem Zeitpunkt ist sie mit dem Blutkreislauf der Mama verbunden. Sie wird über ihn mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Das bedeutet jedoch, dass ab jetzt auch Giftstoffe das Baby über die Plazenta erreichen können. Idealerweise sollte die Feststellung der Schwangerschaft also so früh wie möglich erfolgen – am besten bereits in der 4. SSW oder 5. SSW.

Wann schädigt Alkohol Dein Baby?

Alkohol ist ein Nervengift und wirkt auf Dein Baby prinzipiell immer schädigend. besonders anfällig für Alkoholschäden ist Dein Baby jedoch in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten. In dieser Zeit bilden sich die Organe grundlegend aus. Besonders das Gehirn wird von Alkoholeinfluss stark in Mitleidenschaft gezogen. Trinkst Du währenddessen Alkohol, kann dies schwerwiegende Organschäden bei Deinem Baby verursachen.

Der Wirkstoff Ethanol gelangt nach der Einnahme über Magen und Darm rasch in Deine Blutbahn und erreicht über die Plazenta Dein Baby ungehemmt. Dort angekommen ist der Blutalkoholspiegel genauso hoch wie bei der werdenden Mama. Gesunde Erwachsene bauen den Ethanol zu 90% über die Enzyme Alkohol-Dehydrogenase und Aldehyd-Dehydrogenase (ALDH) in der Leber ab. Beide Enzyme sind auch bei Deinem Baby bereits recht früh vorhanden, arbeiten jedoch nur mit der 4%igen Leistungsfähigkeit, weil die Leber des Embryos oder Fötus noch nicht fertig ausgebildet ist. Deshalb bleibt der Alkoholspiegel bei Deinem Baby viel länger erhöht als bei Dir.

Ab welcher Menge gilt Alkohol als schädlich?

Da es ethisch nicht vertretbar ist, experimentelle Untersuchungen zum Alkoholkonsum an Schwangeren durchzuführen, existieren leider keine belastbaren Studienergebnisse zur toxischen Dosis von Alkohol bei Ungeborenen.

Fakt ist jedoch, dass das Zellgift den Embryo bzw. Fötus prinzipiell schädigen kann und die Kindsentwicklung negativ beeinflusst. Daher wird schwangeren Frauen im Allgemeinen geraten, während der Schwangerschaft komplett auf Alkohol zu verzichten.

Welche Folgen hat Alkoholkonsum für Dein Baby?

Alkohol wirkt sich unvermittelt auf die Zellteilung aus. Je nachdem, in welchem Schwangerschaftsstadium die werdene Mama Alkohol zu sich genommen hat, können unterschiedliche Organschäden bei ihrem Kind auftreten. Typische Alkohol-assoziierte Störungen des Kindes werden auch als Fetales Alkohol-Syndrom (FAS) oder partielles Fetales Alkohol-Syndrom (pFAS) bezeichnet. 3000 bis 10000 Kinder kommen pro Jahr in Deutschland mit einem manifesten FAS oder pFAS zur Welt.

In 2000 Fällen pro Jahr führt Alkohol während der Schwangerschaft zu schweren Schädigungen. Besonders häufig kommt es dabei zu Herzfehlern, Gesichtsfehlbildungen und Hirnschäden bei den Babies. Diese sind irreversibel und prägen Dein Kind ein Leben lang.

Auch motorische und neuro-psychologische Störungen treten häufig bei Kindern auf, deren Mütter während der Schwangerschaft Alkohol tranken. Diese Störungen sind oft nicht einfach zu diagnostizieren und werden häufig mit ADHS, Autismus oder Bindungsstörungen verwechselt. Auch für eine vermeintlich schlechte Erziehung oder eine Lernschwäche kann ein FAS fälschlicherweise gehalten werden.

Ist eine bessere Aufklärung hilfreich?

Man könnte durchaus meinen, dass eine stärkere Aufklärung helfen könnte, mehr Frauen vom Alkoholkonsum in der Schwangerschaft abzuhalten. Fakt ist jedoch, dass hauptsächlich gut gebildete und aufgeklärte Frauen zum Gläschen Sekt in der Schwangerschaft greifen. Bei Kindern aus bildungsferneren Bevölkerungsschichten kommt ein manifestes FAS sogar etwas seltener vor.

Fazit

Dass Alkohol in der Schwangerschaft für das Baby nicht von Vorteil ist, ist hinlänglich bekannt. Da die Bevölkerung im Schnitt sehr gut über die Problematik aufgeklärt ist und Alkoholkonsum in der Schwangerschaft nicht strafbar ist, ist es an jeder werdenden Mama selbst, für sich und die Gesundheit ihres Babies auf Alkohol in der Schwangerschaft zu verzichten.

Was kannst Du tun?

Wenn Du Lust auf ein Gläschen Sekt, eine leckeren Cocktail oder ein Glas Wein hast, greife doch zu alkoholfreien Varianten zurück. Mittlerweile gibt es tolle alkoholfreie Biere und alkoholfreien Sekt am Markt sowie leckere alkoholfreie Mocktail-Rezepte. Probiere es einfach aus.

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